Gepostet am 17 Feb 1998 in de.talk.sex von Andy als gedankliche Überlegung zu den (Vor)Urteilen und Meinungen über Zoophile.Zoophilie - ein Versuch der Differenzierung.
Liest man Aussagen von Nicht-Zoophilen ueber Zoophilie, so sind diese nicht selten negativ gefaerbt - um es noch vorsichtig auszudruecken. Dies ist zunaechst einmal verstaendlich: Zoophilie Gedanken und Gefuehle sind vielen Menschen fremd, sie erregen sogar zum Teil Abscheu und Ekel. Einige versuchen, diese Gefuehle zu rationalisieren, um sie - auch vor sich - zu begruenden.
Tatsaechlich gibt es ernstzunehmende Argumente gegen Zoophilie. Da ist zunaechst einmal die Frage des Missbrauchs, des Quaelens von Tieren. Dass es diese Phaenomene gibt, ist unbestritten: Zoosadismus und Tierquaelerei sind traurige Realitaet, jedoch schon nach dem Wortlaut nicht in zoophilen Beziehungen. Das ist kein Wunschdenken oder Vorwand, sondern bewusstes Bekenntnis und Selbstverpflichtung der Zoophilen, auch und gerade zur Abgrenzung von denen, die den Begriff Zoophilie missbrauchen wollen.
Aber auch ohne Gewalt und offene Repression gegenueber dem Tier moegen Selbstbetrug und Wunschdenken dazu fuehren, dass eine Einvernehmlichkeit nicht immer hergestellt ist, selbst wenn sich der Zoophile noch so sehr drum bemueht. Abgesehen davon, dass hundertprozentiger Konsens auch in menschlichen Beziehungen nicht garantiert ist - wer hier mit seiner Kritik einsetzt, stellt damit das gesamte Mensch-Tier-Verhaeltnis in unserer Zivilisation in Frage: Tiere leben in unserem Kulturkreis unter menschlicher Kontrolle, sie sind durch Verlust ihrer natuerlichen Umwelt auf den Menschen angewiesen. Die Konsequenz ist, dass alle ihre Beduerfnisse haben ihre Grenzen in denen der Menschen finden.
Selbst wenn ein Tier ohne Zwangsmassnahmen zum Sex auf Menschen konditioniert, oder wie einige sagen, fehlgepraegt wird, kann die Kritik hieran nur dann konsequent sein, wenn jegliche Form der Anpassung des Verhaltens abgelehnt wuerde. Das Verbot jeglicher Konditionierung von Tieren auf Menschen wuerde dann das Ende aller Formen von Tierhaltung bedeuten, weil die fuer Mensch und Tier notwendige Form der Kontrolle unmoeglich macht: "Fehlpraegungen" wie die Anerkennung des Halters als "Alphatier" fuer den Hund oder die Form der Unterwerfung, die jeder Reiter von seinem Pferd abverlangen muss, beeinflussen das Verhalten des Tieres ungleich staerker als jede sexuelle Praegung, von der menschliche Entscheidung ueber Leben und Tod eines Tieres einmal ganz zu schweigen.
Ohnehin ist der Sexualtrieb bei praktisch allen im menschlichen Umfeld lebenden Tieren wohl der am staerksten eingeschraenkte. Wenn er nicht sogar physisch unterbunden wird, z.B. durch Kastration, wird er meist auf die unmittelbar verwertbare Fortpflanzung reduziert. Eine "Umpraegung" auf den Menschen kann daher auch eine Erweiterung der sexuellen Moeglichkeiten eines Tieres bedeuten. Um einem Missverstaendnis vorzubeugen: Diese Argumentationskette soll nicht die Umerziehung von Tieren zu willenlosen Sexmaschinen rechtfertigen. Wer aber die Mensch-Tier-Beziehung an dieser Stelle kritisieren will, wird ohne Bekenntnis zu einer absolut veganen Lebensweise schwertun, die Konsistenz seiner Argumente zu beweisen.
Als viel wichtigeren Kritikpunkt sehe ich jedoch die Frage, was ein Mensch sich selber durch falsch verstandene Zoophilie antun kann: Wer eine enge Beziehung zu einem Tier, gleichgueltig ob sexuell oder nicht-sexuell, aus Enttaeuschung, Angst, Minderwertigkeitsgefuehlen, Unsicherheit oder auch nur Bequemlichkeit waehlt, nimmt sich dadurch Moeglichkeiten, die elementare Teile des menschlichen Lebens ausmachen. Solche Menschen verursachen Schaden - keinem anderen, in den meisten Faellen auch keinem Tier, sondern an sich selber.
Diese Fehlentwicklung hat Ursachen, die zumindest zum Teil benennbar und damit auch in vielen Faellen bekaempfbar sind. Wer jedoch auf Minderwertigkeitsgefuehle mit Spott, auf Isolation mit Ausgrenzung, auf Unsicherheit mit Repression, auf Selbstbetrug mit Verleumdung, auf Angst mit Hass, auf Leid mit verbaler wie physischer Gewalt reagiert, der wird sie nicht beseitigen, sondern festigen: Man darf solchen Menschen nicht ihr Menschsein absprechen, im Gegenteil, man muss es ihnen bewusst machen, sie vielmehr darin bestaerken.
Die Entscheidung kann aber letztlich nur bei der Person selber liegen, auch wenn man Hilfe, Verstaendnis und Zuneigung anbieten kann. Wer jedoch zur Abkehr zwingen will, greift nicht nur in grundlegende Menschenrechte ein, uebt Fremdbestimmung, Heteronomie aus, handelt inhuman - er wird das Gegenteil von dem erreichen, was er als Ziel an- oder vielmehr vorgibt.
Was ist also das Fazit? Genaugenommen kann es noch keines geben, denn es gibt einfach nicht genug Information, zuwenig rationalen Austausch zwischen den Vertretern der verschiedenen Position. So gesehen kann auch eine "Generalabsolution" fuer Zoophilie nicht sinnvoll sein - viel weniger ist jedoch ihre pauschale Verurteilung. Mutmassungen, Vorurteile nuetzen hier ebensowenig wie Selbstbetrug und Projektion.
Es gibt Menschen, die Tier quaelen. Sie sind Verbrecher, wahrscheinlich auch psychisch krank. Sie sind zu bekaempfen, gegebenenfalls brauchen sie kompetente Hilfe.
Es gibt Menschen, die mit ihrer Zuwendung zu Tieren einen falschen Weg eingeschlagen haben. Sie brauchen vielleicht Hilfe, Unterstuetzung - die letzte Entscheidung kann jedoch nur bei ihnen selber liegen. Sie auszugrenzen, zu diskriminieren, wird sie nur weiter in ihre Isolation und ihre Lebensluegen treiben.
Es gibt Zoophile, die mit sich, ihrem Leben und ihren Tieren im Reinen sind. Sie haben sich vor niemandem zu rechtfertigen, sie zu bekaempfen ist ein Verbrechen, verstoesst gegen Menschenrechte und widerspricht jeder Moral. Wer sie verleumdet, in ihren Rechten einschraenkt oder bedroht ist ein Verleumder, ein Luegner, ein Verbrecher, wie immer er sich nennen mag oder welche Vorwaende er auch vorschiebt.
"Andy"
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